Interview:
Durch Technologie
im Wettbewerb differenzieren

Werner Steck beschäftigt sich seit Jahren bei Senacor mit der Frage, wie sich neue Technologien auf das Bankgeschäft auswirken und wie sie sich anwenden lassen, um für das Unternehmen, aber auch für die Kunden Nutzen zu stiften.

Warum schlägt gerade jetzt die Stunde der Technologie?

Werner: Technologie lässt sich heute sehr einfach nutzen, sie ist nicht mehr klobig und ungelenk, und wir brauchen keine Experten mehr, um ein technisches Produkt zu bedienen. Vielmehr sind die meisten Verbraucher durch Consumer-Electronics daran heute wie selbstverständlich gewohnt, sodass auf der Hand liegt, leicht zu bedienende Oberflächen direkt den Kunden zugänglich zu machen. Kunden bewerten heutzutage nicht allein das reine Angebot, sondern auch die technische Qualität, mit der versprochene Leistungen erfüllt werden. Zwei wesentliche Faktoren dabei sind die Automatisierung und sinkende Stückkosten, die sich durch die Digitalisierung erzielen lassen und so viele Geschäftsmodelle erst oder wieder wirtschaftlich machen.

Wenn Banken in die Digitalisierung investieren, wo lohnt es sich am ehesten, auf modernere Technologien zu setzen?

Werner: Weil die Verbraucher eine Bank inzwischen auch danach bewerten, wie gut das digitale Angebot ist, müssen sich die Institute durch Technologie am Markt differenzieren. Das ist der erste Anwendungsfall, bei dem Technologie inzwischen unerlässlich ist. Der zweite betrifft durch digital umgebaute Infrastrukturen zu erzielende Skaleneffekte. Je digitaler eine Bank, desto mehr Vorgänge kann sie mit gleichem oder sogar geringerem Aufwand abwickeln.

Wann und mit welchen Technologien sollten die Banken starten, um sich zu erneuern?

Werner: Der perfekte Zeitpunkt ist immer der, wenn die Bank weiß, wohin sie will. Die richtige Technologie ist eng mit dem konkreten Vorhaben verknüpft, das umgesetzt werden soll. Deshalb geht es zuerst darum, einen tragfähigen Business-Case zu entwickeln und – gegebenenfalls mit unserer Hilfe – die dazu passende Technologie auszuwählen. In seltenen Fällen haben wir es tatsächlich mit rein technologiegetriebenen Migrationen zu tun, zum Beispiel, wenn ein bestimmtes Tool keinen Support des Herstellers mehr genießt. Generell aber gilt, dass Zeitpunkt und Use-Case zusammenpassen müssen und nach meinem Empfinden auch gar nicht unabhängig voneinander gedacht werden können.

Auf welche Stolperfallen stoßt ihr im Projekt am häufigsten, wenn eine neue Technologie eingeführt werden soll?

Werner: Interessanterweise liegen die Herausforderungen nur selten in der Technologie selbst, sondern vielmehr im Bereich der Organisation. Beispielsweise probieren immer mehr Banken agile Methoden aus, die vielfach ohne die herkömmlichen Rollenbeschreibungen auskommen. Klassische Projektleiter fehlen etwa im agilen Werkzeugkasten, sodass eine Organisationsrichtlinie, die diese Rolle mit entsprechenden Befugnissen für ein Projekt vorschreibt, dem ganzen Vorhaben schnell einen Riegel vorschieben kann. Dadurch entsteht Frustration, die häufig eine viel größere Herausforderung darstellt, als neue Technologien einzusetzen.

Brauchen die Banken eigenes Know-how, um die technologische Wende zu schaffen? Im Moment klingt das so, als ginge es vor allem um Methoden, die den Wandel bewältigen helfen.

Werner: Ja, das würde ich stets befürworten. Viele unserer Kunden bezeichnen sich inzwischen selbst als Technologieunternehmen, darum ergibt sich der Aufbau von Know-how vollkommen automatisch aus diesem Selbstverständnis.

Womit genau sollten sich die Banken als Nächstes beschäftigen?

Werner: Ganz oben auf der Aufgabenliste der Institute steht die digitale Kundenschnittstelle, die vor allem wegen der mobilen Endgeräte immer wichtiger wird. Hinzu kommen Automatisierung und als Nächstes künstliche Intelligenz und Big Data. Diesen Themen sollten sich die Banken zumindest explorativ bald nähern. Von der ganz großen Investition würde ich aber heute noch abraten. Häufig erweist sich nach der ersten Analyse, dass die Technologie stimmt, der Anwendungsfall aber falsch ausgewählt worden ist. Es geht also mehr darum, bei neuen Use-Cases die Themen KI und Big Data im Hinterkopf zu behalten als mögliche Lösung, und weniger darum, für diese Technologien nach einem Use-Case zu suchen.

Ansprechpartner

Dr. Werner
Steck

Partner

Frankfurt

Experte für neue Technologien

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