Open Banking:
neue Geschäftsfelder für Retail-Banken

Dank PSD2 müssen Banken ihre Datenspeicher öffnen. Wenn Kunden wollen, können sie ihre Konten für andere Unternehmen freigeben. Open Banking stellt eine besonders reizvolle Facette der Digitalisierung dar, weil dadurch auch Banken mehr über die eigenen Kunden erfahren. Dafür müssen sie in moderne Technologien wie Big Data und künstliche Intelligenz investieren sowie geeignete Schnittstellen (API) aufbauen, damit Informationen ungehindert und möglichst automatisiert fließen können. Damit sich eine Idee später auch monetarisieren lässt, entwickelt Senacor mit seinen Kunden tragfähige Konzepte und identifiziert Use-Cases, die ein neues Geschäftsfeld begründen können. Eine im App-Zeitalter häufig übersehene Zielgruppe bietet sich dafür besonders an: Geschäfts- und Firmenkunden.

„Open Banking zeichnet den Weg zum Tech-driven Business vor“

Volker Broer, Senacor

Volker Broer
Partner

Experte Geschäfts- und Firmenkundenprozesse

Florian Rueckert, Senacor

Florian Rueckert
Partner

Experte Geschäfts- und Firmenkundenprozesse

Deutschland ist das Land des Mittelstands. Mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung kommt von Klein- und mittelständischen Unternehmen. Was Open Banking für dieses Kundensegment bedeutet und welche Chancen darin stecken, wissen Volker und Florian, die dieses Thema bei Senacor vorantreiben.

Volker: Open Banking öffnet Banken die Möglichkeit für neuartige Dienste. Bei den meisten Privatkunden ist das vergleichsweise einfach, weil etwa intelligente Haushalts-Apps stets auf die gleichen Muster anspringen. Geschäfts- und Firmenkunden aber verfügen über eine viel höhere fachliche Komplexität, die häufig noch manuell und auf Papier abgebildet wird. Hinzu kommen Unwägbarkeiten wie juristische Personen, die als Kontoinhaber eingetragen sind, etliche Vertretungs- und Verfügungsberechtigungen, Und-Konten und eine generell höhere Anzahl an Konten insgesamt. Das erschwert den gezielten und vor allem automatisierten Datenzugriff.

Florian: So ist es. Bei Privatpersonen ähneln sich die Schemata, weil Positionen wie Miete oder Tilgungen für das Eigenheim leicht zu identifizieren sind. Versicherungen und Mitgliedschaften lassen sich anhand der Buchungsdaten schnell herausfinden. Komplizierte Strukturen bei Geschäfts- oder Firmenkunden setzen dagegen voraus, dass die benötigten Informationen überhaupt in digitaler Form vorliegen und bei Bedarf angereichert und vervollständigt werden können. Deshalb kommt es künftig mehr darauf an, sich um die Informationen an sich zu kümmern und weniger um die Dokumente, auf denen sie heute meist geliefert werden. Das klassische Document-Lifecycle-Management muss sich zum Information-Lifecycle-Management weiterentwickeln, damit Open Banking für die geschäftliche Zielgruppe klappt.

Mal ganz konkret, was ist zu tun?

Florian: Papier- oder bildhafte Dokumente bilden auch heute noch die Basis vieler Geschäftsbeziehungen und Aufträge an die Bank. Diese eignen sich eher schlecht, wenn es darum geht, enthaltene Daten schnell und automatisch weiterzuverarbeiten. Banken sollten sich deshalb fragen, ob zum Beispiel jedes Auftragsdokument eine handschriftliche Unterschrift benötigt oder ob sich die Daten auch über eine API volldigital und automatisiert von einem System ins andere transportieren lassen. Die Fachbereiche müssen dafür noch enger mit Legal, Compliance und IT zusammenarbeiten, damit sich das Institut nicht an der Regulatorik stößt.

Volker: Anders als bei Privatpersonen kommt bei Unternehmen auch noch eine organisatorische Komponente hinzu, weil Sachbearbeiter etwa auf einem bestimmten Konto nur Lesezugriff haben, während ein Prokurist auch buchen darf. Wer also einen neuartigen Dienst entwickeln will, muss unbedingt daran denken, das aus einem Unternehmenskontext heraus zu tun. Wenn das gelingt, kann sich eine Bank einen enormen Wettbewerbsvorteil herausarbeiten.

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Open Banking macht Banken zu Consumern und Providern

Open Banking erscheint auf den ersten Blick wie ein Ziehkind der Regulatorik. Mit der PSD2 hat der Gesetzgeber Banken dazu gezwungen, einerseits Kunden stärker zu authentifizieren, aber auch den Zugriff auf Zahlungsverkehrkonten erheblich zu vereinfachen. Eine der Folgen: Schnittstellen (API), die inzwischen von fast allen Banken angeboten werden. Doch Open Banking ist keinesfalls allein ein technisches Thema, es eröffnen sich auch strategische Perspektiven, weil durch die PSD2 ein eigenständiger Kanal entstanden ist, über den sich Fremdprodukte und -dienste auf der eigenen Plattform integrieren lassen oder eigene Produkte und Dienste auf anderen Plattformen. Wir rechnen damit, dass Banken angesichts dessen zu API-Consumern und -Providern werden.

Die Bank als Consumer

Bereits vor der PSD2 haben Banken Dienste Dritter konsumiert, somit ist dies der ältere und weit verbreitete Ansatz. Damit werden Funktionalitäten nicht selbst entwickelt, sondern die Bank nutzt als Consumer immer mehr APIs, um von Dritten entwickelte Dienste ins eigene Angebot zu integrieren. Typische Anwendungsfälle dafür sind ausgelagerte Authentifizierungen wie Video-Ident oder elektronische Signaturen. Diese B2B-Anbindungen lassen sich zudem ausbauen zu B2B2C-Konstellationen, in denen die Bank beispielsweise einen Geschäftspartner anbietet, um deren Produkte direkt für die eigene Kundschaft verfügbar zu machen. Die Tiefe der Integration variiert dabei von einfacher Datenübertragung mit einer API bis zu einem vollständig integrierten White-Label-Produkt. Wer diesen Weg einschlagen möchte, muss die eigenen Prozesse hochgradig standardisieren, damit neue Partner möglichst zügig angebunden werden können.

Die Bank als Provider

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Best Practice: PSD2-konforme „Open Banking“-Geschäftsmodelle

Senacor hat für ein namhaftes Institut eine PSD2-konforme Schnittstelle entwickelt, inklusive eines Entwicklerportals für die Bank und einer Sandbox für Drittanbieter. Zusätzlich haben wir in einem gemeinsamen Projektteam die Kundenkanäle für Retails wie auch Corporate neu aufgesetzt.

Open Banking: fünf Bausteine für den Erfolg

Um das Projekt über die Zielgerade zu bringen, hat Senacor gemeinsam mit dem Kunden einen Fahrplan entwickelt, der aus fünf wesentlichen Arbeitspaketen bestand. Die Lieferung der Projektmeilensteine erfolgte in time und in budget. So konnte die Zielerreichung auf Basis einer Lieferung der Anforderung nach Maßgabe der regulatorischen Meilensteine erfolgreich durchgeführt werden.

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Senacor auf der BEX19

Volker war in der Podiumsdiskussion zum Thema PSD2 dabei.

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